Dienstag, 18. September 2012

NEU: Im Copacabana-Flash *** Das Verhältnis Brasilien - Deutschland ist im Moment gestört (von GBC-Team)18.09.2012


Verhältnis gestört

Obwohl in Kürze, nämlich ab Mai 2013, das Deutschlandjahr in Brasilien
stattfinden wird, stehen die deutsch-brasilianischen Beziehungen derzeit
nicht unter einem so strahlenden Stern – auch wenn nach außen hin viele
Fakten anderes vorzugeben scheinen.




Schließlich besuchten alleine im vergangenen Jahr rund 60 offizielle 
Delegationen aus Deutschland Brasilien. Darüber hinaus gibt es unzählige 
Kooperationen und Partnerschaften, wie beispielsweise die Tatsachen, 
dass Brasilien erst gerade das Partnerland für die Cebit war, oder aber im 
nächsten Jahr das Gastland der Frankfurter Buchmesse sein wird. Diese 
Liste lässt sich vom Deutsch-Brasilianischen Wissenschaftsjahr über das 
Deutsche Wissenschaftshaus beliebig lang fortsetzen.

Aber trotz all dieser guten und engen Zusammenarbeit sieht es, auf der 
höchsten politischen Ebene beider Länder, wohl scheinbar nicht ganz so 
harmonisch aus. Anzeichen hierfür, die in der Vergangenheit zunächst als 
zufällig heruntergespielt wurden, die gibt es viele.

- Der brasilianische Entwicklungsminister, Fernando Pimentel, sagte bei 
den 30. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen in Frankfurt / Main 
kurzfristig seine geplante Teilnahme ab.

- Der Termin für die hochrangig besetzte deutsch-brasilianische 
Wirtschafts- kommission wurde ebenfalls kurzfristig um drei Monate nach 
hinten verschoben.

- Das von Deutschland 2005 gekündigte Doppelbesteuerungsabkommen 
mit Brasilien steckt nach wie vor in einer Sackgasse. Brasilien ist das 
einzige BRIC-Land, mit dem Deutschland kein solches Abkommen 
getroffen hat.

- Auch, wenn es offiziell von den wenigsten deutschen Unternehmern 
zugegeben wird, welche sich um Staatsaufträge bewerben, so hört man 
doch hinter vorgehaltener Hand immer lauter, dass den Unternehmern mit 
Ablehnung und Desinteresse von Regierungsseite begegnet wird.

Auf der Suche nach einer Antwort für diese ablehnende Haltung, findet 
man bei den Beamten des brasilianischen Außenministeriums ungewohnt 
klare und zugleich schon fast undiplomatische Worte. Hier wird die 
Auffassung vertreten, dass es nicht ausreicht sich auf der im Jahr 2008 
beschlossenen strategischen Partnerschaft beider Länder mit Gesten und 
wohlgemeinten Aktionen auszuruhen. 

Und man wird sogar noch deutlicher, indem man dem Kanzleramt in Berlin 
eine fehlende Sensibilität mit Brasilien vorwirft.

Den sensiblen und aufmerksamen Brasilianern ist es nicht entgangen, 
dass Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits zum sechsten Mal offiziell 
China besucht hat, während Brasilien bis dato nur ein einziges Mal auf 
einer Lateinamerika-Rundreise für eineinhalb Tage stand. 

Sie empfinden das offensichtliche Desinteresse an Brasilien und 
Lateinamerika, von Bundeskanzlerin Merkel, schon fast als eine 
Beleidigung. 

Denn wie sonst soll man es ihrer Meinung nach nennen, wenn Brasilien 
und Lateinamerika, eine so unbedeutende Rolle in der deutschen Politik 
spielen, dass man diese dem Koalitionspartner FDP überlässt. 

Zwar bereiste FDP Außenminister, Guido Westerwelle, Brasilien bereits 
intensiver, aber auch hier ist den aufmerksamen Brasilianern nicht 
entgangen, dass er auf der ersten Reise eher mit dem ausloten von FDP-
Problemen beschäftigt war, als die Beziehungen zwischen Deutschland 
und Brasilien nach vorne zu treiben. 

Darüber hinaus sorgt die Tatsache, dass auffallend viele Parteifreunde 
des FDP-Ministers mit Botschaftsposten bedacht werden, für schmunzeln 
hinter vorgehaltener Hand.


Guido Westerwelle in Brasilien

Zugegebener Weise ist Brasilien alles andere, als ein leichter Partner. 
Schwankend sind die politischen Signale, die die brasilianische Regierung 
setzt. Mal fühlt man sich in Brasilien nicht nur solidarisch, sondern sogar 
als Sprecher für die armen Länder in der Welt – und im nächsten Moment 
gibt man sich kapitalistischer als die USA. 

Viele Experten beider Länder sind sich sicher, dass der größte Fehler 
Deutschlands darin besteht, dass man das Land immer noch als den 
jahrelangen Entwicklungspartner wahrnimmt. 

Doch Brasilien hat sich rasant nach vorne entwickelt, und diese 
sogenannten Entwicklungspartnerschaften sind zwar ganz angenehm, 
mehr aber auch nicht. Brasilien ist durch seinen Wirtschaftsaufschwung 
selbstbewusster geworden und blickt kritisch auf das aus seiner Sicht 
kleine Deutschland.

Es scheint wichtiger denn je, dass wirtschaftliche, technische oder 
wissenschaftliche Bereiche gefunden werden, welche für beide Staaten 
einen gemeinsamen großen Fortschritt bedeuten, und zu dem das 
jeweilige Land alleine nicht fähig gewesen wäre.



Schadet Ihrer Meinung nach Bundeskanzlerin Angela Merkel Deutschland, 
mit ihrem aus brasilianischer Sicht wenigen Fingerspitzengefühl im 
Umgang mit der brasilianischen Führungsebene?


Das BGC-Team

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