Senioren-Nachmittag *** Ein fröhlicher Start in den Winter
(von Guido Elser) (06.12.2012)
Ein fröhlicher Start in den Winter
Am Mittwoch lud der Gemeinnützige Frauenverein, unterstützt von der
Pro Senectute, zu einem fröhlichen Adventssenioren-Nachmittag ins
katholische Pfarreizentrum ein.
Diessenhofen
«Ein fröhlicher Start in den Winter» lautete das Motto. Es kamen etwa 50
Seniorinnen und Senioren. Hauptperson an diesem Nachmittag war der
sehr vielseitige Alleinunterhalter Jean-Luc Oberleitner aus Birmensdorf,
aufgewachsen in der Stadt St. Gallen aber mit Wurzeln nach Appenzell
und nach Wien.
Schon diese Mischung der Herkunft liess einiges erwarten.
Er trat in Diessenhofen mit einem Appenzeller Wams und einem
Appenzeller Knopf als Krawatte auf. Eines der ersten Lieder war «Nach
em Räge schint d’sunne, nach em briegge wird glacht».
Nach einem Potpourri mit Tessiner Liedern wie «Adio la caserna»…
wünschte sich eine Seniorin ein Appenzeller Lied. Und sofort spielte der
Akkordeonist sehr gekonnt einen echten Appenzeller Tanz auf seinem
Instrument.
Gilberte de Courgenay
Schade war, dass nur wenige Senioren da waren, die einmal Militärdienst
geleistet haben, als der Unterhalter das Lied anstimmte «Cest la petite
Gilberte de Courgenay. Elle connaìt trois mille soldats et tous les
officiers».
Aber auch die Senorinnen kamen auf ihre Rechnung mit «Oh mein Papa
war eine wunderbare Clown» oder mit dem Wiener Lied «Heut kommen
die Engel auf Urlaub nach Wien».
Zwischen den Gesängen zitierte der Sänger auch kurze lustige Texte von
Fridolin Tschudi oder Erich Kästner, So konnten alle auch immer wieder
herzhaft lachen.
Ein Höhepunkt der Darbietungen war dann auch noch die Melodie
«Montanara» mit dem Glockenspiel. Es gelang dem Unterhalter, in zwei
Blöcken zu je einer guten halben Stunde frohe Unterhaltung zu bieten
und das Publikum immer wieder auch zum Mitsingen zu bringen.
Gegen den Schluss bewegte sich dann der Akkordeonist vor allem im
Bereich weihnachtlicher Melodien wie einem Spaziergang durch den
Winterwald.oder der Melodie «Leise rieselt der Schnee».
Bis zum 13. Februar!
Nach dem offerierten feinen Imbiss bedankte sich Maya Engeli beim
Künstler für die gebotene Unterhaltung. Der nächste Seniorenachmittag
findet am 13. Februar mit einem Seniorentheater in der Rhyhalle statt.
Guido Elser (ge)
© Text und Bilder von Guido Elser
Der virtuose Akkordeonist

Der Künstler beim Glockenspiel
Kirche(n) wohin?Rund 30 Personen besuchten am Donnerstag den Vortrag «Kirche(n)
wohin» von Dr. Eva Baumann-Neuhaus, St. Gallen. im katholischen
Pfarreizentrum.Diessenhofen Diese Einladung war ökumenisch und wurde unter anderem von
evangelischen und katholischen Theologen und auch von Leuten aus
Gailingen und Eschenz besucht. Die Referentin ist wissenschaftiche
Mitarbeiterin im SPI (Schweizerisches Pastoral-soziologisches Institut St.
Gallen).
Hier einig Ausführungen aus dem Referat: Die öffentlich Debatte um die
Religion wird zwar immer wichtiger verliert aber für den Einzelnen an
Bedeutung. Weshalb? Die Religion spielt im Privaten eine immer kleinere
Rollem, während sie als Zankapfel in Politik und Medien bedeutsamer wird.
Die Kirchen verlieren Mitglieder, aber es gibt auch einige Gemeinschaften
mit Zulauf, jedoch von einer Rückkehr der Religion kann keine Rede sein.
«Für Europäer sind religiöse Menschen nicht voll modern» sagt der
Soziologe José Casanova und glaubt den Grund für den anhaltendende
Säkularisierungskurs Europas in den Probleme mit religiösen
Einwanderern auszumachen.
«Die Kirche ist geistig impotent und blutleer» schrieb der Tagesanzeiger
im April des vergangenen Jahres. Das ist eine der medialen Schlagzeilen
der vergangenen Jahre. Dass die grossen Konfessionen und ihre
Institutionen sich in einer nicht enden wollenden Krise befinden, das
lesen und hören wir seit Monaten. Die traditionelle Kirchlichkeit erodiert
immer mehr.
Hier ein paar Zahlen
Hier ein paar Zahlen: 3864 Menschenn soviel wie noch nie zuvor sind im
Jahren 2009 aus der katholischen Kirche des Kantons Zürich ausgetreten.
Das ist eine Steigerung um 52 Prozent gegenüber 2008. Auch die
Reformierte Landeskirche des Kantons Zürich verzeichnet eine Zunahme
der Austritte.
Während noch in den 1970er Jahren ungefähr 50 Prozent der
Schweizerbevölkerung einer der grossen Kirchen angehörten waren es
laut Volkszählung 2010 noch knapp 35 Prozent. Tendenz bleibt sinkend.
Dagegen nehmen die Konfessionslosen stetig zu sowie auch andere
Religionszugehörigkeiten. Man muss zum Schluss kommen: Die Kirche
wird kleiner, ärmer. älter und unbedeutender.
Auf der anderen Seite der Kirchenmauer
Auf der anderen Seite der Kirchenmauer zaigt sich aber auch noch eine
anderes Bild: Zahlreiche neue relgiöse auch christliche Gemeinschaften
entstehen, internationale religiöse Bewegungen erfreuen sich weltweit
eines grossen Zulaufs. Zugewanderte Religionen und Religösitäten
werden zunehmen sichtbar, religiöse Rituale sind nach wie vor gefragt.
Nun kam die Referentin zurück zu den grosssen Konfessionen in unserem
Land. Sie teilte die Katholiken und Reformierten in folgende Gruppen ein:
Die Institutionellen sind Personen, denen christlicher Glaube und
christliche Praxis im eigenen Leben viel bedeuten. Die Alternaniven
sprechen eher von Spiritualität als von Religion, Die Säkularen sind
Personen ohne jegliche religiöse Praxis und ohne religiöse
Glaubensüberzeugung.
Mit 64 Prozent bilden die Distanzierten die grösste Gruppe der
Konfessionsangehörigen, Sie sind Mitglieder einer der grossen
Konfessionen und bezahlen die Kirchensteuer. Ansonsten bedeutet die
Konfessionszugehörikeit für sie jedoch lebenspraktisch nicht viel oder gar
nichts.
Megatrends beeinflussen auch die Religion
Und die Referentin kam auf die heutigen Megatrends zu sprechen, die
immer mehr auch die Religionen beeinflussen. Die Globalisierung bringt
eine weltweite Verflechtung in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Kultur,
Umwelt, Kommunikation. Die Individualisierung des Einzelnen setzt sich
immer mehr durch. Man muss autonom sein und man möchts selber
entscheiden, Femail Shift nennt man die weibliche Bildungsrevolution, die
sich in den letzten 30 Jahren rasant entwickelte.
Downaging heisst die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung in den
Wohlstands- und Wohlfahrtsstaaten der Welt. Dann spielt die Gesundheit
eine immer zentralere Rolle im Leben, wie das die Entwicklungen im
Wellness-Bereich zeigen.
Der moderne Mensch sucht die Religion
Die Referentin zeigte auf, dass auch der moderne Mensch die Religion
sucht. Da müssen sich die Kirchen bewegen und der Zeit anpassen
Herausforderungen sind: alte und neue Orte, alte und neue Formen, alte
und neue Stils, alte und neue Arbeitsformen, alte und neue Berufsprofile.
Und als Chancen des Wandels sieht die Referentin eine Kirche in
Bewegung mit Partizipation der Interessierten, mit Nähe und
Gastfreundschaft, eine Kirche mit Offenheit und Vertrauen, mit Lern –
und Transformationsbereitschaft.
Bei der regen benutzten Diskussionsrunde wurde von einem Teilnehmer
gesagt, dass er bereits im Vortrag erwähnte Änderungen bei den
Gottesdiensten im katholischen Seelsorgebezirk Diessenhofen feststelle.
Neuerungen in den Gottesdiensten (besseren Einbezug der Kinder,
Kreistanzen etc) würden deutlich mehr junge Eltern mit Kindern in die
Kirche bringen.
Guido Elser (ge)
© Text und Fotos von Guido Elser

Dr. Eva Baumann-Neuhaus bei ihrem Referat im Pfarrei-
Zentrum (1)

Dr. Eva Baumann-Neuhaus bei ihrem Referat im Pfarrei-
Zentrum (2)