Kaum aus den Augen,
hat die ID ein Loch
Wer sein Portemonnaie in der Öffentlichkeit liegen lässt und es kurz
darauf wieder findet, muss trotzdem eine neue ID kaufen – auch dann,
wenn diese stets unberührt im Portemonnaie steckte. Der Staat verdient
viel Geld mit dieser Sicherheitsmassnahme.

Wer seine ID liegen lässt, erhält sie als ungültiges Dokument zurück
(Bild: Hansjörg Walter)
Die Erleichterung war riesig. Ja, der Chauffeur habe das Portemonnaie auf
dem Sitz im Tram gefunden. Und: Ja, er habe es selbstverständlich dem
Fundbüro des Sicherheitsdepartements gebracht. «Zum Glück!», sagte
sich der Mann, der das Portemonnaie am Abend davor im Tram liegen
gelassen und der BVB den Verlust sofort per Mail mitgeteilt hat.
Am Morgen ging er zum Spiegelhof, um das Portemonnaie abzuholen. «Ist
alles noch drin?», fragte der nette Herr dort. Alles war noch drin, sogar
die 200 Franken. Bloss etwas verblüffte den Mann: In seiner
Identitätskarte (ID) war ein Loch.
Der Ausweis, der noch über ein Jahr gültig gewesen wäre, war nun also
unbrauchbar. «Warum?», wollte der Mann wissen. Das sei eine
Sicherheitsmassnahme, sagte der Herr.
Darauf der Mann: «Aber bis auf den Chauffeur hatte das Portemonnaie
niemand in der Hand.» Das sei eben so, sagte der Herr. Glücklich über
das Portemonnaie und voller Unverständnis über die ID-Geschichte ging
der Mann. In der Hand hielt er die gelochte ID und das Antragsformular
für eine neue ID, das ihm der Herr mitgegeben hatte.
Verordnung als Grundlage
Wir fassen zusammen: Eine ID, die nie als gestohlen gemeldet wurde, weil sie nach dem Liegenlassen vom ... (weiterlesen...)
Ein Naturereignis
auf zwei Stürmerbeinen
Er ist ein 1,80 Meter grosser Muskelprotz, der sich in seiner persönlichen
Weltauswahl selbst aufstellt: «Cristiano Ronaldo, Leo Messi – und ich.»
Einige Umwege hat Hulk genommen, um in Europa zu einem der
gefährlichsten und mithin gefragtesten Stürmern zu wachsen.
Am Donnerstag ist er im St.-Jakob-Park zu besichtigen.

Ein Naturereignis auf zwei Stürmerbeinen: Hulk.
(Bild: Reuters/ALEXANDER DEMIANCHUK)
Warum Givanildo Vieira de Souza den Übernamen Hulk trägt, darüber gibt
es verschiedene Versionen. Die einen sagen, die Japaner hätten ihm
dieses Pseudonym in Anlehnung an die Comicfigur verpasst, weil der
Brasilianer sich in Tokio das grüne Trikot der Verdy über den
muskelbepackten Oberkörper streifte.
Er selbst hat unlängst die Geschichte so erklärt: Schon in seiner Kindheit
habe er seine Kraft entdeckt und gesagt: «Papa, ich bin stark.» Worauf
der meinte: «Okay, dann bis du der Hulk.» So wird er Givanildo Vieira de
Souza heute noch genannt, «und das Ganze wurde natürlich dadurch
begünstigt», sagt der Spieler, «dass ich mich zu einem kräftigen Kerl
entwickelt habe.»
Mit einem genialen linken Fuss gesegnet
Er zog früh aus von Campina Grande im Bundesstaat Paraiba. Mit 15
Jahren verbrachte er erstmals zwölf Monate in Portugal, spielte zurück in
Brasilien nur 70 Minuten als Profi und wechselte 2005 nach Japan in die
zweite Liga.
Obwohl von der bulligen Statur her dem überkommenen Bild eines
Mittelstürmers entsprechend, begreift sich Hulk als anderer Spielertyp:
«Ich war immer eher ein zweiter Stürmer, der über die Flanken kommt,
sich den Ball holt und viel in Bewegung ist.»
Das Kraftpaket mit dem kantigen Kinn wird auch bei Zenit meist auf dem
rechten Flügel eingesetzt.
Technisch stark ist er und obendrein trotz Masse pfeilschnell, und einmal
in Fahrt gekommen, zum Zentrum ziehend, ist er nur noch sehr schwer zu
verteidigen mit einem linken Fuss, «gemacht für kunstvolle Schlenzer wie
für knüppelharte Schüsse» (Spiegel online). So wie bei seinem Tor im
Hinspiel gegen den FC Liverpool:

2008 wechselte Hulk für angebliche 24 Millionen Franken von Tokio zum
FC Porto. Mit dem holte er fünf Titel (drei Meisterschaften), gewann die
Europa League (2011) und war Torschützenkönig (2011/23 Tore in 26
Spielen).
Mit einer Quote von 0,54 Toren pro Match, mit 54 Treffer in 99 Ligaspielen
für seinen Club wurde er für die Fans des FC Porto zum «incrivel», zum
Unglaublichen.
Seine Karrierebilanz bis Spätsommer 2012: 203 Spiele, 92 Tore und 62
weitere Vorlagen.
Der siebtteuerste Spieler
Das macht ihn interessant genug für einen der grössten Transfers in den
letzten Jahren. Kurz nach den Olympischen Spielen, wo es für Hulk und
Brasilien nach einer 1:2-Finalniederlage gegen Mexiko (mit einem Hulk-
Tor) Silber gab, setzte sich Zenit St. Petersburg im Tauziehen mit Chelsea,
Paris St. Germain und Anschi Machatschalka durch.
Für kolportierte 69 Millionen Franken sicherte sich Zenit Anfang
September das Naturereignis auf zwei Stürmerbeinen. Im Ranking wurde
Hulk damit zum siebtteuersten Spieler, die im Profifussball transferiert
wurden – wenn man denn den kursierenden Zahlen Glauben schenken
mag (siehe Grafik).

Der Rest ist ein Kinderspiel
Der Wechsel in den kalten Norden des Kontinents hat Hulk nicht
abgeschreckt: «Wenn man es geschafft hat, sich im Alter von 18 Jahren in
Japan einzugewöhnen», sagte er, «ist alles Weitere ein Kinderspiel.» Für
Zenit hat Hulk in 18 Spielen sechs Mal getroffen – allerdings nur zwei Mal
in der russischen Premier Liga, wo der Titelverteidiger nach etwas mehr
als der Saisonhälfte auf Platz 3 rangiert.
So einfach war es dann eben doch nicht mit der Akklimatisierung und der
Integration in einen Club, der sich mit einem Budget, das allein aus
Sponsoring, Merchandising und TV-Rechten 110 Millionen Franken
veranschlagt, höchste Ziele setzt.
In einem Club, dessen Fans mit unverhohlenem Rassismus abschrecken,
und in einem Club, in dem Hulks Jahressalär von angeblich fast zehn
Millionen Franken Zwietracht säte.
Die Kollegen meuterten wegen der Gagen der neuen Stars
Wegen der hohen Gagen für Hulk und den Belgier Axel Witsel (Benfica),
den sich Zenit nur wenige Tage nach Hulks Verpflichtung für weitere 40
Millionen Euro gönnte, soll der russische Nationalspieler Igor Denissow
die interne Meuterei so auf die Spitze getrieben haben, dass er kurzzeitig
suspendiert wurde.
Nachdem Zenit in der Champions League unter den (eigenen) Erwartungen
blieb, als Dritter in der Gruppe hinter Malaga und Milan, und als Hulk
wiederholt ausgewechselt wurde, rumorte es weiter.
Der Brasilianer drohte mit Abgang im Januar, was Zenits italienischen
Trainer Luciano Spalletti aber nicht gross kratzte: «Alle grossen Spieler
reagieren nicht gut, wenn sie ausgewechselt werden. Er liegt falsch,
wenn er denkt, dass er immer 90 Minuten spielt.»
Mit Hulks Toren in die Achtefinals
Der Ärger ist inzwischen verflogen. Hulk hat mit zwei Toren in den beiden
Sechzehntelfinals gegen den FC Liverpool das europäische Fortkommen
und die Achtelfinals gegen den FC Basel gesichert, und Dietmar
Beiersdorfer, der Deutsche auf dem Sportdirektorensessel von Zenit,
meint im Interview mit der «Aargauer Zeitung»: «Als klar wurde, dass die
beiden ganz hervorragende Spieler sind und charakterlich gut zu uns
passen, war das schnell kein Thema mehr. Hulk und Witsel haben gute
Leistungen abgeliefert. Ihre Integration ist abgeschlossen, und sie
werden gewiss noch stärker aufspielen.

Die Tricks und Tore von Hulk
Mit Hulk möchte man es sich ja auch nicht verscherzen. Wie warnt die
nuklearverstrahlte Comicfigur Bruce Banner, bevor sie sich in den
grossen, grünen Muskelberg Hulk verwandelt: «Mach' mich nicht wütend,
du würdest mich wütend nicht mögen.»
Und so sagt der Wahlrusse Hulk höfliche Sätze wie: «Ich habe in St.
Petersburg hervorragende Strukturen und ein ehrgeiziges Projekt
vorgefunden. Ich bin sicher, dass Zenit in der Zukunft zu den ganz
grossen Teams Europas gehören wird.»

Von Christoph Kieslich und David Bauer
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