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Montag, 24. Dezember 2012

Martha's Advents-Box 2012 *** 24. Dezember

NEU: Martha's Advents-Box 2012 *** 24. Dezember (von Martha Stadlmair) (24.12.2012) 


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24. Dezember

Tränen 

Tränen kullern über meine Wangen, ganz leise weine ich in mein Kissen.
Tief vergrabe ich mich unter der Decke. Heute ist es wieder so weit, es ist
Weihnachten. Im Zimmer herrscht ein fröhliches Treiben, die meisten
Heimkinder sind ausgelassen und übermütig.
 

Sie werden in den nächsten Stunden von ihren Eltern abgeholt, 
Grosseltern oder Bekannten, bei denen sie ein liebliches Weihnachtsfest 
verbringen werden. Nur ich und einige wenige Kinder müssen 
Weihnachten im Heim verbringen. Langsam krieche ich unter der Decke 
hervor; ich muss trotzdem meine Pflichten erfüllen. 

Kaum stehe ich, kommt Schwester Maria auf mich zu und schnauzt mich 
an: 

„Du bist schon wieder zu spät, es ist immer das Gleiche mit dir. Räum 
deinen Platz auf und geh in die Küche, um zu helfen.“ 

Beim Hinausgehen ergänzt sie noch: 

„Schliesslich organisieren wir das Weihnachtsfest nur für euch.“ Wieder 
habe ich einen Kloss im Hals. Ich muss mich zusammen nehmen, damit ich 
nicht laut losheule. Der Heiligabend im Heim ist so etwas von unpersönlich 
und kalt, dass wir Kinder gerne darauf verzichtet hätten. 

Nicht einmal ein Christbaum wird aufgestellt, nur ein Kranz mit wenigen 
Kerzen. Geschenke bekommen wir jedes Jahr dieselben, nämlich eine 
kleine Büchse mit trockenen Guezli, steinhart. Die Schwestern machen 
schnell, denn sie wollen nach Hause, um das Fest zu feiern. 

Wir müssen dann meistens um 21 Uhr ins Bett, und nur die Nachtwache 
bleibt da, natürlich mürrisch und schlecht gelaunt. 

In der Küche begegne ich Schwester Agnes. Sie ist eigentlich keine 
Schwester, sie hilft hier nur aus, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie 
wohnt ganz in der Nähe, in einem schönen Haus. Sie ist der Lichtblick im 
Heim, und sie merkt sofort, wenn es einem Kind schlecht geht und nimmt 
es dann spontan in den Arm. 

Man spürt eine Wärme, die es im ganzen Heim sonst nicht gibt. 

„Hallo Marco!“ Schon ihre Stimme beruhigt mich und ein scheues Lächeln 
huschte über meine Lippen. 

„Na freust du dich auf Weihnachten? 

Ich habe später eine Überraschung für dich.“ 

„Eine Überraschung!“ 

Bekomme ich heute mal mehr geschenkt als nur alte Guezli? 

Ich werde ganz nervös, nun habe ich etwas, auf das ich mich freuen 
kann. 

„Stehst du immer noch rum!“ 

Schwester Maria reisst mich aus meinen Gedanken. 

„Arbeite, du fauler Kerl!“ 

Ich mache mich an die Arbeit, es fällt mir leichter als sonst, denn mir 
schwirrt den ganzen Tag meine Überraschung durch den Kopf.

Um 17 Uhr geht Schwester Agnes, ohne sich von mir zu verabschieden. 
Das hat sie noch nie gemacht. Wo ist meine Überraschung? Am Abend 
sehe ich sie auf einmal wieder. Sie kommt auf mich zu: 

„Marco komm, du darfst bei uns Weihnachten feiern.“ 

Ich schaue sie mit grossen Augen an. Ich verstehe nicht: 

„Wo?“ 

„Bei uns zu Hause“, erwidert sie. 

Schnell renne ich zum Schlafsaal und ziehe meine schönsten Kleider an. 
Danach gehen wir die Strasse hinunter und sind nach wenigen Minuten 
bei ihrem Haus. Staunend gehe ich hinein, alles ist geschmückt. Die 
Familie sitzt am Tisch, und ich werde allen vorgestellt. 

Herzlich werde ich aufgenommen. In mir kommt ein Gefühl der 
Geborgenheit auf, wie ich es noch nie in meinem Leben gespürt habe. 
Zum Essen gibt es Poulet, Reis und Gemüse, danach einen Nachtisch. 
Wirklich das beste Essen auf der ganzen Welt. 

Und nun die Bescherung. Ich erwarte nichts, denn der Abend war bis jetzt 
das grösste Geschenk meines Lebens. Schwester Agnes kommt mit einem 
Papier auf mich zu und sagt: 

„Lies das, Marco.“

Willkommen in unsere Familie! steht darauf. 

Ich verstehe nicht recht und schaue Agnes an. Sie bestätigt: 

„Von nun an gehörst du zu uns, für immer!“ 

Tränen kullern über meine Wangen. 


© Heinz Braun



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Martha's Advents-Box 2012 *** 23. Dezember

NEU: Martha's Advents-Box 2012 *** 23. Dezember 
(von Martha Stadlmair) (23.12.2012)


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23. Dezember 

Vom Bäbeli mit den blonden Zöpfen 

Ich erinnere mich gut: Als kleines Mädchen wohnte ich mit meinen Eltern 
und dem kleinen Brüderchen in einem alten, heimeligen Haus in Wängi. 
Damals lebten meine Grosseltern noch bei uns. 


Mein guter Grossvater war ein glänzender Geschichtenerzähler, und das 
Christkind, nahm bei ihm, einen besonderen Platz ein und regte meine 
Fantasie an. In der Adventszeit verpackte ich mein krankes Bäbeli mit 
gebrochenem Arm und verkratztem Gesicht, und platzierte es vor das 
Stubenfenster. Am anderen Tag war die Schachtel bereits verschwunden. 

Ich war froh und glaubte ganz fest, dass das Christkind es bis zum 
Weihnachtsfest flicken könnte. 

Endlich war es Heiligabend. Es war so still und geheimnisvoll. Leise fielen 
die Schneeflocken. Grossvater und ich warteten im Nebenzimmer auf die 
Ankunft des Christkindes. Manchmal hörten wir gedämpfte Stimmen, 
zwischendurch ein Rascheln. 

Die Stubentüre war geschlossen, auch durchs Schlüsselloch erspähte ich 
nichts. Wie gern hätte ich das Christkind für einen Augenblick gesehen. In 
meiner kindlichen Fantasie sah es aus wie ein Engel mit einem zarten, 
lieblichen Gesicht und silbrig glänzenden Flügeln. 

Bestimmt kam es direkt vom Himmel und versteckte die Geschenke im tief 
verschneiten Wald. 

Auf einmal klingelte das Glöcklein. In der Stube war es ganz hell. Am 
schönen Tannenbaum brannten die Kerzen, die farbigen Kugeln glänzten, 
und ein paar Wunderkerzen sprühten kleine funkelnde Sternchen. 

Mein Grossvater setzte sich auf das warme „Ofechüschtli“ und erzählte 
eine neue Weihnachtsgeschichte. Vater stimmte die altvertrauten Lieder 
an. Meine Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Endlich, endlich 
durfte ich mein Päckli in Empfang nehmen. 

Am liebsten hätte ich das farbige Papier mit dem roten Bändeli einfach 
aufgerissen – doch meine Mutter mahnte mich zur Sorgfalt! Meine 
Überraschung und Freude waren grenzenlos! Das Christkind hatte 
tatsächlich mein Bäbeli geflickt, es war wie neu! 

Die langen blonden Haare waren zu Zöpfen geflochten; und das neue 
rote Kleidchen mit dem weissen Krägli war wunderschön. Jetzt trug es 
sogar vornehme, schwarze Lackschuhe.

Mit meinem „Züseli“ im Arm tanzte ich vor lauter Glück umher. Abrupt hielt 
ich inne, öffnete das Fenster, und rief ganz laut in die kalte Winternacht 
hinaus: „Danke vil Mol, liebs Chrischtchindli!“ 

Mit meinem Bäbeli im Arm schlief ich rundum zufrieden ein.

© Martha Rüdisühli



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Donnerstag, 20. Dezember 2012

Martha's Advents-Box 2012 *** 21. Dezember

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(von Martha Stadlmair) (21.12.2012)


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21. Dezember 

HALLELUJA IN DER MALL 

Andrang vor Mittag am Selbstbedienungsbuffet. Blaugrünes
Mensamobiliar und Topfpalmen. Die Tische fast alle belegt. Ein Mann
blättert in der Zeitung, während er isst. Kinder streiten lauthals. Eine
junge Frau mit einem rotem Schal steht vom Tisch auf, das Handy am Ohr.
Nur dem zufälligen Beobachter würde auffallen, wie gebannt sie zuhört.
Ihre Mimik abwesend, ihr Mund bewegungslos.
 

Plötzlich von irgendwoher Musik. Von weither. Eine kraftvolle, warme 
Frauenstimme singt Halleluja. Nun ganz deutlich H a l l e l u j a, ja ganz 
offensichtlich Händels Halleluja. Einige Gäste horchen auf, drehen 
suchend die Köpfe in alle Richtungen. 

Ohne Zweifel, es ist die junge Frau mit dem roten Schal, die singt, mitten 
in der Mall des Einkaufszentrums. Noch immer hält sie das Handy ans Ohr. 

Man könnte auf den Gedanken kommen, die Musik komme aus ihrem 
Handy. Doch nein, sie bewegt den Mund, sie singt.

Eine Männerstimme, ein junger Mann, einige Tische entfernt, ist auf 
seinen Stuhl gestiegen und singt Halleluja. Ein älteres Paar erhebt sich 
und stimmt in den Chor ein. Wie wenn Blumen, im Zeitraffer betrachtet, 
am Morgen ihre Blüten öffnen, so beginnt an diesem und jenem Tisch 
jemand mitzusingen. 

Nun ist die ganze Mall erfüllt von einem vielstimmigen Choral. Die 
Menschen sind überrascht. Einige beginnen zu begreifen, die haben das 
abgemacht, da singt ja ein ganzer Chor.

Die Stimmen füllen den ganzen Raum, viele Mittagsgäste singen nun mit – 
die ganze Mall ist ein Klangkörper. Erstaunen auf den Gesichtern, 
unverhüllte Freude, eine strahlende Überraschung. Einer mit Anzug und 
Krawatte filmt mit seinem iPhone. 

Die Sänger sehen sich an, spornen sich in ihrer Lebensfreude gegenseitig 
an. Kaum einer der Mittagsgäste kann sich dem Zauber entziehen, der 
den Raum und die Herzen erfüllt. Hallelujah! And He shall reign for ever 
and ever. 

Openair-Stimmung in der weiten Halle, warmes Weihnachtsgefühl. Sänger 
und Sängerinnen, Gäste und Passanten halten die Arme hoch. Fehlen 
noch die Flämmchen der Feuerzeuge. Es ist als ob der Chor der Engel, 
den wir jedes Jahr auf den Fluren Bethlehems erwarten, dieses Jahr zu 
früh gekommen wäre und sich erst noch in der Location geirrt hätte.

Fantasie oder Event? Diese Bespielung einer Einkaufshalle als Kathedrale, 
dieser überwältigende Auftritt eines Chores an einem unerwarteten Ort 
fand am 13. November 2010 wirklich statt.


© Justin Koller


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Martha's Advents-Box 2012 *** 20. Dezember

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20. Dezember

Weihnachtslieder 

„Weihnachtslieder üben. Warum soll ich immer Weihnachtslieder üben,
Mama? Ich hasse das Klavier. Ich hasse Weihnachtslieder!“ – Ute stampft
wütend mit dem Fuß auf. –
 

„In der Schule soll ich auch Weihnachtslieder spielen, wenn die anderen 
das Krippenspiel machen. Und wenn die Einsätze beim Mitsingen nicht 
klappen, sagt die Hagelmamm, ich wäre schuld. Die blöde Kuh kann 
einfach nicht dirigieren!“

Ilse Berwenke ist entsetzt: „Aber Ute, ihr spielt doch im Altersheim vor, 
und die alten Menschen freuen sich so, wenn sie euch hören dürfen! – 
Und dein Fräulein Hagelmann ist keine blöde Kuh. So etwas sagt man 
einfach nicht!“ „Dann eben eine dumme Ziege!“, weint Ute, „denn genau 
so meckert sie nämlich! 

– Und das mit dem ‚Hören dürfen und Freuen’ im Altersheim ist auch ein 
Irrtum, Mama!“

„Dumme Ziege’ sagt man auch nicht über seine nette Lehrerin“, meint 
Frau Berwenke, „ich kenne das Fräulein Hagelmann schon aus meiner 
Zeit. Uns hat das Singen bei ihr immer Spaß gemacht! – Und wieso sollen 
sich die alten Menschen nicht freuen, wenn ihr ihnen vorsingt und 
vorspielt?“ 

„Das verstehst du nicht, Mama“, schluchzt Ute, „die Hagelmann macht 
jedes Jahr im Advent mit uns dasselbe. Immer dasselbe Spiel und 
dieselben Lieder. Das ist so was von langweilig. Und wenn du die alten 
Leute anschaust: die verdrehen schon die Augen, wenn wir kommen, weil 
sie wissen, dass nichts klappt mit der Hagelmann. 

Die würde man besser selbst zu den alten Leuten setzen. Geh doch hin 
und frag selbst im Altersheim nach, wenn du nicht glauben willst, dass 
dein Fräulein Hagelmann es nicht mehr checkt.“ „Wie kannst du so etwas 
sagen, Ute!“, empört sich Ilse Berwenke, „ich gehe wirklich heute ins 
Altersheim und frage!“

Am Abend meint sie dann recht kleinlaut: „Ute, ich habe gefragt. Die 
Leiterin des Altersheimes hat mir gesagt, dass Fräulein Hagelmann in 
diesem Jahr gar nicht auf dem Plan stünde. Das hätte sie der im letzten 
Jahr schon gesagt, aber das hätte sie wohl vergessen. Die alten Leute 
hätten drei Kindergärten zu ertragen. 

Dazu beim Einkaufen das Gedudel in den Geschäften!“ „Siehst du, Mama“, 
meint Ute, „Fräulein Hagelmann war sicher zu deiner Zeit gut. Kannst du 
mit ihr darüber sprechen, wenn du sie doch so gut kennst?“


© Helmut Frhr. v. Scheurl-Defersdorf



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Donnerstag, 13. Dezember 2012

Martha's Advents-Box 2012 *** 13. Dezember

NEU: Martha's Advents-Box 2012 *** 13. Dezember (von Martha Stadlmair) (13.12.2012)


13. Dezember

Weihnachten unter Palmen

Erinnerung, wieder ist es Winter und wieder sinken meine Stiefel in die
20 cm Neuschnee ein. So tragen mich meine mit Schafsfell gefütterten
Treter an das weihnachtlich geschmückte Fenster eines Reisebüros.


„Weihnachten unter Palmen“ steht auf dem grossen Plakat. Daneben 
hängen Bilder von weissen Sandstränden und einem Weihnachtsmann in 
Badehose. Ein Schmunzeln huscht mir über das eingefrorene Gesicht. 
Weihnachten unter Palmen, das gab’s auch bei mir schon. 

Allerdings wollte mir kein leichtbekleideter Weihnachtsmann 
Sangriapunsch andrehen. Weihnachten unter Palmen an der deutschen 
Ostseeküste. Letztes Jahr nahm die Geschichte ihren Lauf, besser 
gesagt, ihren Fall. 

Es fielen ganz viele, dicke Schneeflocken und legten sich auf alles,was 
nicht weglief. Weisse Weihnacht ist doch soooo romantisch. Die hatten 
wir jetzt, und zwar mit „g“ ganz weisse Weihnacht. Auf dem Balkon lag 
mindesten ein halber Meter Schnee. Das Weiss, wie ein strahlend 
weisses Lächeln von jemandem der triumphiert. Klimawandel und die 
Umweltverschmutzung geistern im Kopf herum.

Das Telefon: meine Mutter war dran: „Kind, bleibt bloss zu Hause, 
draussen ist die Hölle los!“ Gut, die Hölle hatte ich mir mit ganz viel Feuer 
und Lava vorgestellt, aber ich verstand. 

„Ja Mama, wir bleiben daheim. Aus Weihnachten mit der Familie wird wohl 
leider nichts.“ 

„Schatz wir müssen einkaufen“, flüsterte ich meinem Freund ins Ohr. „Wir 
haben doch alle Geschenke, du hast sie gestern verpackt.“ „Nein“ 
entgegnete ich, „wir brauchen Lebensmittel, wir können hier nicht weg, 
wir sind eingeschneit.“ 

„Quatsch!“ gab er zurück. Aber auch ihm fiel die Kinnlade herunter. Der 
Schnee zeigte ihm sein strahlendes Siegerlächeln. Kennen Sie das 
Michelin-Männchen? Genauso sahen wir aus. Wir machten uns also auf 
zum Supermarkt. 

Kurz bezahlen und dann wieder raus in die weisse Pracht. Zu Hause 
schmiss ich mich in Schale. Das volle Programm, versteht sich: Haare, 
Make-up, Klamotten und Ohrringe die wie Weihnachtskugeln aussahen. 

Ich machte weihnachtliche Musik an und kramte die Tischdecke hervor. 
Und dann, oh mein Gott, kein Weihnachtsbaum, kein Zweig, nichts wo ich 
die Geschenke hätte drunter legen können. Was nun? Doch, da, hinten in 
der Ecke, da stand er ja, der ultimative Weihnachtsbaumersatz: die 
Palme. 

Ich stellte also die Palme in die Mitte des Raumes und begann zu 
schmücken. Der Stamm bekam eine Ummantelung aus knallrotem 
Geschenkpapier, kleine Schnapsflaschen hingen an bunten Schleifen. 

Kleine Bonbons zierten die Palme und die Lichterkette, welche ihr eine 
weihnachtlichen Schimmer gab.

Eine Weihnachtspalme - einen Tannenbaum braucht es nicht, wenn man 
eine Palme hat.


© Lisa David

Martha's Advents-Box 2012 *** 12. Dezember

NEU: Martha's Advents-Box 2012 *** 12. Dezember (von Martha Stadlmair) (12.12.2012)



12. Dezember

Die etwas verspätete
Weihnachtsgeschichte

Eine Erinnerung

Eine 74 jährige Mutter schreibt am 7. Januar 1982 ihrer Tochter zum 40.
Geburtstag, erinnert sie sich der schwierigen Situation, die sie als junge
Witwe, hochschwanger mit ihrem dritten Kind, durchlebte.


Liebe Tochter,

nun nehme ich mir doch noch Zeit, Dir einen langen Brief zu schreiben,
alles Gute zu wünschen, vor allem Gesundheit und Zufriedenheit.

Ich denke an die Vergangenheit zurück, und Du darfst mitkommen.
Also ganz genau Weihnachten 1941, vor dem heiligen Abend, habe ich
Deine Geschwister auf den Schlitten gesetzt und bin zu Fuss in mein
Heimatdorf zum elterlichen Hof getippelt.

10 km zu Fuss; wenn es bergauf ging mussten sie natürlich absteigen
und zu Fuss laufen. Es war ziemlich kalt, doch Du warst ja noch schön „a
de Wärmi“.

Ich kam mir vor wie die heilige Maria, nur der Josef hat gefehlt, und den
Esel musste ich auch selber machen. Aber die Herberge war bereit. Ich
weiss es noch ganz genau, meine Mutter war in der grossen Küche am
Bodenaufwaschen.

Mit erstaunten Augen empfing sie uns herzlich, setzte flugs euch Kinder
auf’s warme „Cheuschtli“, und ich steuerte todmüde auf das Sofa zu. Aber
kaum dass ich sass, fingst Du wild in meinem Bauch zu strampeln an,
sodass ich Angst bekam, die Geburt gehe schon los. Doch wir haben uns
beide wieder beruhigt.

Am zweiten Weihnachtstag hat dein Onkel, uns dann mit Ross und
Wagen, wieder nach Hause gefahren. Und am 7. Januar 1942 lagst Du in
meinen Armen.

Unsere Nachbarin war dabei, aber nicht als Du geboren wurdest, denn
bei jedem Weh rannte sie in die Stube hinüber und rief: „Ich chann nüd
zueluege“.

Nun Vergangenheit Ade – es lebe die Zukunft. Jetzt ist aber auch Zeit,
Schluss zu machen, du siehst ja, ich fange an mich zu verschreiben.

Auf baldiges Wiederhören hoffend, grüsst Dich recht herzlich

Deine Mutter



© Caecilia Bühlmann

Dienstag, 11. Dezember 2012

Martha's Advents-Box 2012 *** 11. Dezember

NEU: Martha's Advents-Box 2012 *** 11. Dezember (von Martha Stadlmair) (11.12.2012)


11. Dezember 2011

Freude 

Die Engel im Himmel sangen wunderschön. Ein kleiner Engel hatte sich in
den Chor geschlichen und sang mit holpriger Stimme, dafür mit umso
mehr Inbrunst, seine selbst erfunden Lieder dazwischen. Der stolze
Engelchordirigent warf dem kleinen Engel böse Blicke zu.
 

In einer Pause quakte der kleine Engel: „La la la, ich bin so gerne da!“
Das war zuviel für den Dirigenten. „Halt, stopp!, Du störst die Reinheit der 
Musik!“ Kurzerhand warf er den Kleinen von der Wolke.

Mit tränenblinden Augen tastete der kleine Engel nach seinem 
Gesangsbuch, das er beim Sturz verloren hatte und verkroch sich 
weinend in einer Regenwolke. Nach einiger Zeit drang durch den Nebel 
eine sanfte Stimme an sein Ohr: „Du, Winzling, was hast du denn?“

Der kleine Engel schniefte und erblickte über sich das lächelnde Gesicht 
eines älteren Engels. „Ich,“ geräuschvoll zog er den Inhalt seiner Nase 
hoch, „ich darf nicht im Chor singen. Aber Singen macht mir solche 
Freude!“

„Wer sagt, dass du nicht singen darfst?“, fragte der ältere Engel. 

„Der Dirigent! Er hat mich von seiner Wolke geworfen.“ Erneut Tränen in 
den Augen des Kleinen. „Etwas verstehe ich aber nicht, warum darfst du 
nicht mehr singen?“ „Er hat gesagt, er will mich nicht in seinem Chor 
haben, dabei habe ich ganz eigene Lieder gemacht.“ 

Er streckte dem älteren Engel sein Gesangsbuch hin. Der blätterte darin 
und schaute dann den Kleinen ernst an. „Kannst du diese Lieder nur im 
Chor singen?“ „Ähm… Nein…?“ Der ältere Engel lächelte. Der Kleine 
wischte sich die Tränen vom Gesicht. Ein Hoffnungsschimmer trat in seine 
Augen. 

„Ich könnte mir eine eigene Wolke suchen und darauf singen. Würde ich 
dann den Chor nicht trotzdem stören?“ Der Engel schüttelte den Kopf. 
„Der Himmel ist weit!“ Er lächelte dem Kleinen ermutigend zu, drückte ihm 
das Gesangsbuch in die Hand und verschwand im Nebel. 

Ein Weilchen blieb der kleine Engel in seiner Regenwolke sitzen. Dann 
kroch er hinaus und schaute sich nach einer neuen Wolke um. Es dauerte 
gar nicht lange, da schwebte ein Wölkchen herbei. Freudig liess er sich 
darauf nieder. 

Er klappte sein Gesangsbuch auf und sang. Je länger er sang, desto 
fröhlicher wurde er. Die Engel, die ihn hörten, wurden von seiner Freude 
angesteckt und stimmten in den Gesang ein. Jeder Engel sang genau 
das, was er in seinem Herzen spürte. Es wurde ein Konzert voller 
Lebensfreude und Hingabe. Und Gott hörte zu und lächelte.



© Karin Jörger-Egger


Sonntag, 9. Dezember 2012

Martha's Advents-Box 2012 *** 10. Dezember 2012 (Fortsetzung vom 09.12.)

NEU: Martha's Advents-Box 2012 *** 10. Dezember 2012 (Fortsetzung vom 09.12.) 
(von Martha Stadlmair)(10.12.2012)


10. Dezember 2011

2.Teil 

Heilig Abend ohne Weihnachtsbaum


„Na, dann wird das ne feine Weihnacht“, brummt der Kapitän,
„Weihnachtsabend ohne Baum. – Nee, dann gibt’s auch keinen
Weihnachtsköm, nur nen Bibelspruch, und dann nix wie ab in de Kojen!“ –
Und damit greift er zur Bibel, nimmt den Zettel aus dem Matthäus-
Evangelium und beginnt mit der Lesung.


Der Segelmacher macht sich klein und rutscht vorsichtig zur Tür. Ohne 
Weihnachtsköm wird das für ihn keine gute Nacht werden. Da sind die 
Kameraden sehr nachtragend. Doch der Bootsmann hält ihn fest und 
zischt: „Hiergeblieben!“ 

Der Segelmacher gerät ins Schwitzen. Seekameraden sind nachtragend, 
wenn sie ihren verdienten Weihnachtsköm nicht bekommen. Und beim 
Weihnachtsköm verstehen sie überhaupt keinen Spaß. Kielholen ist das 
Mindeste, was ihm droht.

Als der Kapitän mit der Lesung fast fertig ist, klopft es an der Tür. Der 
Bootsmann gibt dem Segelmacher einen Schubs. „Nun mach die Tür auf, 
du Döspaddel. Wann du schon auf unsern Weihnachtsbaum nicht 
aufpassen kannst, dann mach wenigstens die Tür auf. Vielleicht kommt ja 
der Weihnachtsmann!“

Als die Tür aufschwingt und alle lachen, weiß Hein plötzlich, wo der 
Tampen, das Segeltuch, die Nägel und die Farbe geblieben sind. Denn da 
tritt der Benjamin mit einem kleinen Baum herein, der eindeutig aus dem 
aufgespleissten und zu einem kegelförmigen Gebilde zusammengedrehten 
Tampen besteht, umwickelt mit Segeltuchfetzen, gespickt mit Nägeln, und 
alles grün angestrichen. 

Ein paar brennende Kerzen sind auch noch darauf. „Ihr Kinderlein 
kommet, oh kommet doch all …“, stimmen die Kameraden an.

„Na, Hein“, meint der Kapitän und grinst, „nächste Weihnachten passt du 
ein bisschen besser auf unsern Weihnachtsbaum auf! - Und nun schenk 
den Köm aus, aber doppelt. Der geht dieses Jahr auf deine Rechnung!“



© Helmut Frhr. v. Scheurl-Derfersdorf

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Samstag, 8. Dezember 2012

Martha's Advents-Box 2012 *** 09. Dezember

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09. Dezember 2011

Heilig Abend ohne Weihnachtsbaum

Erinnerung

Sie sitzen in der Mannschaftsmesse der „Groote Marie“ zusammen. Alle
bis auf den Zweiten Steuermann und die Deckhands. Alle Segel gesetzt,
laufen sie vorm Wind. Das Kap der Guten Hoffnung liegt weit hinter ihnen.
 

Sidney ist ihr Ziel. Der Kapitän hat „Volle Wache“ angeordnet, denn man 
weiß nie, wann aus den braven Westwinden plötzlich die „Roaring 
Forties“ werden. Mit den Deckhands und dem Zweiten Steuermann würde 
er später feiern.

Alle sitzen zufrieden da und freuen sich auf die kleine Feier und den Köm, 
der zu Weihnachten ausgeschenkt wird. Nur der Benjamin fehlt. Dem sei 
schlecht und der läge in seiner Koje, meint der Bootsmann. Und ein Teil 
der Mannschaft feixt. 

Einzig Hein, der Segelmacher, nervt. Er fragt immer noch nach dem Stück 
Tampen, das vor einer Woche aus seiner Segelkammer verschwunden ist. 
„Was macht einer mit nur sechs Fuß Tampen?“, fragt er. Ein Stück 
Segeltuch und eine Rolle Garn seien auch weg. Wo man denn hinkäme, 
wenn einfach Sachen auf See geklaut würden. 

„Reg dich nicht auf, Hein!“, brummt der Schiffszimmermann, „wenn du in 
meine Nagelkiste gucken tätst, würde dich der Schlag treffen. Zwei 
Schock von den Dreizöllern einfach verschütt. Und von der grünen Farbe 
konnte auch einer die Finger nicht lassen. 

Aber heute ist Weihnachtsabend. Lass es gut sein! – Mich wundert’s nur, 
wo der Weihnachtsbaum bleibt, Hein. Ich meine, den hättest du in deiner 
Segelkammer mitnehmen und frisch halten sollen. – Na – wo ist der den 
nun? Willst du den nicht holen?“ 

Hein läuft krebsrot an, als der Kapitän ihn nun auch noch stumm und 
vorwurfsvoll ansieht und dann schulterzuckend fragt: „Na, Hein, wo ist 
der denn nun, der Baum?“

„Habt ihr wohl nicht mitgekriegt!“, ruft der Smutje, „bei Kapstadt war der 
Baum schon trocken wie ein Klippfisch, nur noch Feuerholz. Ist in meinem 
Herd gelandet! Hein hat ihn mir gebracht!“

© Helmut Frhr.v. Scheurl-Defersdorf 

(Fortsetzung am 10. Dezember)





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